Wichtige Informationen für Sportbootführerscheinbewerber

Allgemeines:

Segeln ist nicht nur ein schöner Zeitvertreib, sondern kann bei mangelnder Qualifikation zur Gefahr für Boot und Besatzung werden. Dessen muß man sich immer bewußt sein, sobald man ein Boot führen will.

Unsere Ausbildung soll die Grundlage für das sichere Führen von Segelyachten vermitteln. Es wird aber nie möglich sein, alle Situationen, die es geben kann, zu üben. In diesem Zusammenhang sei auch auf die wesentliche Rolle des Wetters bezüglich der Sicherheit hingewiesen.

Zur Prüfung ist ein Arzt-Attest bezüglich Eignung zum Führen eines Sportbootes erforderlich. Vor allem darf man keine Rot-Grün-Sehschwäche haben. Im Zweifelsfall vorher erst prüfen lassen.

Nähere Informationen zur Prüfung siehe hier:

Prüngungsinfos BSP

Zur Theorie:

Hat man sich entschlossen, an einer Segel-Prüfung teilzunehmen, muß bald möglichst das entsprechende Lehrbuch gekauft und der Lehrstoff selbständig, kontinuierlich und intensiv bearbeitet werden. Da wir keine Segelschule sind und für die Ausbildung auch keine Gebühren verlangen (normalerweise ca. 200,- € für Theorie), ist schon eine Portion Eigen-Engagement erforderlich. Auch während der Praxisausbildung wird viel theoretisches besprochen und an Beispielen gezeigt.

Zu bestimmten Themen wird auf Wunsch Theorie-Unterricht angeboten. Auch weiterführende  Lektüre wird dringend empfohlen. Die Videofilme

            Manöver für Fahrtensegler, Segelschein BR, Lichter und Kennungen und Sicher segeln im Sturm

gehören ebenfalls zur Ausbildung. Diese können beim Ausbildungsleiter ausgeliehen werden.

Einzelfragen oder Probleme kann man mit dem Ausbildungsleiter erörtern. Auch sind alle Mitglieder der SSG gerne bereit, ihr Wissen weiter zu geben. Dabei kann es vorkommen, daß ab und zu konträre Aussagen von verschiedenen Skippern zum gleichen Thema gemacht werden. Das bedeutet nun nicht, daß nur einer recht hat und die anderen nicht. Oft gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Situation sicher zu beherrschen. Häufig kommt es vor, daß der Befragte auch nur die halbe Wahrheit erfährt, das heißt, je nach den Begleitumständen einer Situation können für den Laien scheinbar unwichtige Randbedingungen gerade die Entscheidung für die eine oder andere Möglichkeit ausmachen. In so einem Fall muß man nachfragen, ob auch eine andere Lösung richtig sein kann. Gewöhnlich ergibt sich dann ein sehr fruchtbares Gespräch und die Unklarheiten werden bereinigt. 

Prüfungsmanöver betreffend sind ausschließlich die Angaben im betreffenden Lehrbuch verbindlich.

Es ist unbedingt erforderlich, daß man sich die Fachausdrücke bezüglich allem, was mit dem Segeln zu tun hat, aneignet und versteht. Das dauert eine gewisse Zeit und anfangs wird auch das eine oder andere verwechselt. Trotzdem, nur Mut und immer wieder fragen und den Stoff vertiefen. Nur so kann auf ein Kommando, wenn es darauf ankommt, schnell und richtig reagiert werden bzw. auch ein Kommando an Mitsegler gegeben werden, damit diese auch verstehen, was gemeint ist.

Zur Praxis:

Nur wer die erforderlichen Grundlagen beherrscht, kann an Praxisprüfungen erfolgreich teilnehmen.

Zu Beginn der Segelsaison, so ab Ende März, werden verstärkt Übungsfahrten durchgeführt. Prüfungsbewerber zum Bodensee-Schifferpatent D (Segel), die an Pfingsten an der Prüfung teilnehmen wollen, werden bevorzugt ausgebildet. Von diesen wird erwartet, daß sie sich soweit in die Theorie eingearbeitet haben, daß Begriffe wie Schoten, Fallen, dichtholen, fieren, abfallen, anluven, Luv, Lee, die Kurse zum Wind (Vor-, Halb- und Am-Wind) und vor allem die Prüfungsmanöver in ihrem Ablauf bekannt sind. Es erleichtert die praktische Ausbildung erheblich und macht diese wesentlich effektiver, wenn Teilnehmer verstehen, wovon an Bord gesprochen wird und nicht noch rätseln müssen, was man von ihnen will. Diese Bewerber müssen schon im Vorjahr an der Segelausbildung teilgenommen haben. Deshalb sollten diese Begriffe auch schon bekannt sein.

Bei ausreichender Teilnehmerzahl kann im September eine Schulungswoche angeboten werden. Wer im Folgejahr an einer Segel-Prüfung teilnehmen will, sollte dieses Angebot wahrnehmen.

Schon bei den Übungsfahrten ist folgendes zu beachten:

Die einzelnen Manöver sollen möglichst präzise ausgeführt werden. Sehr wichtig ist auch die richtige Segelstellung bei den verschiedenen Kursen zum Wind. Falsche Kompromisse rächen sich spätestens bei der Prüfung. Nicht zuletzt ist das auch schlechte Seemannschaft und kann im Extremfall zur Gefahr für Boot und Besatzung werden.

An Bord beschränkt sich die Demokratie auf die allgemeinen Dinge. Alles, was mit der Bootsführung und vor allem mit der Sicherheit zu tun hat, wird vom Skipper bestimmt. Er ist für Boot und Besatzung verantwortlich und wird im Schadensfall zur Rechenschaft gezogen. Seine Anordnungen sind zu befolgen.

Wer das Ruder führt, hat auf Kommandos des Skippers sofort zu reagieren. Es gibt Situationen (z. B. Kollisionsgefahr), während deren nicht erst diskutiert werden kann, ob dieses oder jenes richtig ist, sondern sofort richtig gehandelt werden muß, um eine Gefahr abzuwenden. Das oben erwähnte fruchtbare Gespräch kann zu diesem Zeitpunkt nicht geführt werden und wird gegebenenfalls später nachgeholt.

Wer das Ruder führt, bleibt in jeder Situation so lange an der Pinne, bis vom Skipper oder einem anderen Crewmitglied für Ablösung gesorgt wird, auch wenn es wie aus Kübeln schüttet und hagelt und gerade nur Jeans und T-Shirt getragen werden. Erst die Sicherheit für Schiff und Crew, dann das Vergnügen.

Zur Prüfung:

An der Praxis-Prüfung Segeln kann nur teilnehmen, wer sich zuvor genügend Kenntnisse angeeignet hat. Wir gehen davon aus, daß zur Vorbereitung mindestens

                        10 Tage am Rhein/Gifiz mit der Yacht unter Anleitung

            plus 1- 2 Tage am Gifiz-Baggersee  mit der Jolle unter Anleitung

            plus 5-10 Tage am Gifiz-Baggersee  mit der Jolle selbständig
                                       (ist sehr wichtig, da dabei viel gelernt wird)  

            plus 2 Tage am Bodensee mit der Yacht unter Anleitung (intensives Training)

erforderlich sind, an denen gründlich geschult wird. Dies garantiert eine gewisse Routine sowie die Möglichkeit, bei verschiedenen Wetterverhältnissen zu üben, bei wenig und bei viel Wind. Beides ist wichtig. Bei mehr Wind ist bei uns noch niemand an der Prüfung gescheitert, bei fast keinem schon mehrere.

Wir empfehlen nur solchen Prüfungsbewerbern die Teilnahme an der Praxis-Prüfung, die gezeigt haben, daß sie die Prüfungsmanöver beherrschen. Näheres im Gespräch.

Die Prüfungen sind keine unüberwindlichen Hindernisse und bei Einhaltung gewisser Grundregeln leicht zu bestehen.

Bertram Birk